Podcast: Zur Geschichte und Gegenwart des antislawischen Rassismus

Die Vortragsveranstaltung in Präsenz musste leider abgesagt werden.
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Auch 80 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion ist das Phänomen des antislawischen Rassismus vielfach ein blinder Fleck antirassistischer Politik. Besonders die Verbrechen der Nationalsozialisten in Osteuropa basieren auf der Weltanschauung eines Kampfes des vermeintlich zivilisierten Westens gegen den „unzivilisierten Osten“.

Hans-Christian Petersen ist Historiker und forscht zu Rassismus und Migration mit dem Schwerpunkt Osteuropa. In dieser Veranstaltung möchten wir mit ihm über die Geschichte aber auch über die Gegenwart des antislawischen und antiosteuropäischen Rassismus sprechen.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Podcast: Zur Differenz von Antisemitismus und Rassismus

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Antisemitismus wird in aktuellen Debatten häufig als eine Form des Rassismus, gewissermaßen als antijüdischer Rassismus begriffen. Verkannt wird dabei vielfach, dass sich sowohl damit verbundene Denkmuster, als auch die Funktionsweisen der jeweiligen Phänomene grundlegend voneinander unterscheiden.

Polina Kiourtidis studiert Antisemitismusforschung in Berlin und setzt sich seit Jahren gegen Antisemitismus und für Israel ein. In dieser Veranstaltung möchten wir mit ihr über Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Diskriminierungsformen sprechen. Im Anschluss gibt es Raum für eine Diskussion.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Podcast: Zur aktuellen Wiederaufnahme des Historikerstreits

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Im vergangenen Jahr entflammte eine breit geführte Debatte um den antisemitischen Gehalt von Aussagen des postkolonialen Theoretikers Achille Mbembe. Darüber hinaus führten die deutschsprachige Übersetzung des Buches „Multidirektionale Erinnerung“ des Literaturwissenschaftlers Michael Rothberg sowie der Aufsatz „Der Katechismus der Deutschen“ des Genozidforschers A. Dirk Moses zu einer neuen Diskussion um die Singularität des Holocaust. Dass diese Diskussion im deutschen Feuilleton vereinzelt als „Historikerstreit 2.0“ bezeichnet wird, verweist darauf, dass ähnliche Diskussionen um die Singularität der Shoa bereits im sogenannten Historikerstreit der 1980er Jahre geführt wurden.

Steffen Klävers ist Antisemitismusforscher und hat in seiner Dissertation eine Kritik an gegenwärtigen Versuchen postkolonialer Deutungen des Holocaust formuliert. Im Podcast wollen wir mit ihm über das Verhältnis von postkolonialer Theorie und Holocaustforschung sprechen und den Bezug zur aktuellen Debatte herstellen.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27. Januar.

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Unsere Bündnisveranstaltungen 2021/2022

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Historisch-kritischer Stadtrundgang zu Göttinger Studentenverbindungen

28.10.2021 – 14 Uhr
G7-Denkmal Z-Campus – Platz der Göttinger Sieben

Mit diesem Stadtrundgang laden wir zu einem kritischen Blick in die Geschichte deutscher Burschenschaften und Studentenverbindungen ein. Dabei gehen wir an unterschiedlichen Verbindungshäusern vorbei und illustrieren anhand der jeweiligen 
Verbindung einen Teil deutscher Geschichte und die Rolle, die diese Verbindung darin 
gespielt hat.

Es geht uns in dem Rundgang zum einen um differenzierte und fundierte Kritik, die auch die Unterschiedlichkeit von Burschenschaften, gemischtgeschlechtlichen- und Damenverbindungen einbezieht. Zum anderen wollen wir aber auch korporierter Mythenbildung und Geschichtsverklärung entgegenwirken.

Der Rundgang findet im Rahmen der Alternativen O-Phase statt und wird ca. 2 Stunden dauern.

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Wie das Gewitter in der Wolke

In jüngster Vergangenheit entlud sich erneut die geballte antisemitische Wut auf den Straßen. Nicht nur in der BRD wurden israelische Flaggen verbrannt, vor Synagogen aufmarschiert oder Juden und Jüdinnen direkt angegriffen. Doch, so ließe sich vermuten, waren es nicht überwiegend deutsche Neonazis, die wie einst in Chemnitz im Mob aufmarschierten, sondern, so ließ sich beobachten, bestimmten neben Palästina-Fahnen, türkische, jordanische, libysche, syrische und kurdische Fahnenschwenker_innen das Bild. Neben eindeutigen Symbolen türkischer Faschisten, wie den grauen Wölfen, konnte man Menschen eingehüllt in Tücher beobachten, auf denen das islamische Glaubensbekenntnis prangerte. Liefen da Sympathisant_innen der palästinensischen Terrorbande Hamas in einer Reihe mit selbsternannten Antifaschist_innen, die Spannbreite reichte auch hier von ewiggestrigen Antiimperialist_innen und Rotfrontkämpfer_innen über (postmoderne) Anti-Rassist_innen bis hin zu selbsternannten Friedenaktivist_innen. Es ist wieder einmal deutlich geworden, dass es nicht viel braucht, um die Feind_innen Israels aus ihrer „Deckung“ zu locken.[1]

Die Realität ist komplex. Sicher, um Realität zu verstehen, kommt man nicht umhin, zu vereinfachen. Lässt man allerdings zu viele Informationen weg, verfremdet man den Gegenstand der Betrachtung irgendwann nur noch bis zur Unkenntlichkeit. Gleichwohl stellen wir fest, dass die postmoderne Popkultur sich genau dieser Mechanismen allzu oft bedient. Identitäre Kämpfe werden häufig mit einem fast kindlich anmutenden Gerechtigkeitsempfinden in den sozialen Medien ausgetragen: Ob man zum israelischen oder palästinensischen Team hält, zeigt sich etwa da, wo man auf „Tiktok“ nach links unter das palästinensische Flaggenemoji oder nach rechts, unter das Emoji der israelischen Flagge tanzt. Zum Abschluss wird dann keck mit dem Badelatschen das blau-weiße Flaggenemoji weggeklatscht, symbolisch also der Staat Israel einfach beseitigt.

Vor wenigen Wochen so schien es, wimmelte es weltweit nur so von Nahost-Expert_innen. Es war zu beobachten, wie Menschen jeden Alters, die bisher niemals mit Äußerungen zu (internationaler) Politik auffielen, geschweige denn Sachkenntnis zur Geschichte Israels aufzuweisen hätten, oder aber solche, die überall ihren Hypernationalismus auszuleben trachteten, ihre als Meinung getarnten Ressentiments in die Welt hinausschrien. Einig waren und sind sie sich über eins: Israel ist schuld. Israel ist ein Aggressor. Israel ist ein Besatzer. Israel ist der Kern allen Übels. Israel = Böse, „Palästina“ = Gut – So weit so schlicht.

So decken sich unsere Beobachtungen wohl mit denen Alex Feuerherdts, der die postmoderne Strömung beschreibt als eine, „die keine historischen Tatsachen mehr kennen will, sondern nur noch gleichberechtigte „Narrative“, also subjektive Erzählungen von „Betroffenen“ ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt.“ Er diagnostiziert weiter: „Ist dieser Ansatz ganz grundsätzlich mehr als fragwürdig, so führt er in Bezug auf den „Nahostkonflikt“ absichtsvoll zu einer Dämonisierung und Delegitimierung Israels.“ (Alex Feuerherdt (2011): „Mythos Nakba“ Die Entstehung Israels – Legenden und Wirklichkeit – Vortrag, abgerufen unter: http://www.deutsch-israelische-gesellschaft-freiburg.de/attachments/File/Mythos_Nakba_Freiburg.pdf)

Um es deutlich zu machen, nicht jede_r, Position die/der angesichts der Ereignisse ein Ende der Gewalt herbeisehnt, soll hier widersprochen werden. Im Gegenteil muss der Wunsch nach Frieden immer ein legitimer sein. Wer allerdings die benannten Narrative bedient und auf den dazu passenden Demonstrationen mitläuft, macht sich gemein mit den antisemitischen Schergen dieser Welt.

In diesem Sinne meint jenes Geschwätz von „Antizionismus“ auch nichts anderes als unverhohlenen Antisemitismus. Der Unterschied besteht lediglich in der Umwegkommunikation über vermeintliche „Israelkritik“. Denn hier wird nicht irgendeine konkrete Politik irgendeines beliebigen Staates kritisiert. Nicht wegen des jahrelangen Zwangswehrdienstes im krisengeschüttelten Eritrea findet man sich im Internet und auf den Straßen zusammen, auch nicht, weil die globale Corona-Impfpolitik den sogenannten globalen Süden benachteiligt. Nein, es geht ums Ganze: das Existenzrecht Israels wird konsequent verneint und somit der jüdische Zufluchtsstaat als notwendige Konsequenz der Shoah bedroht.
Ein antisemitisches Narrativ findet sich ebenfalls dort, wo die Realität so weit verdreht und verkürzt wird, dass historische Zusammenhänge wie die über tausend Jahre andauernde antijüdische Gewalt, die in der weltweiten Vertreibung und Ermordung von Jüdinnen und Juden in der Shoah ihren Höhepunkt fand, nicht mit der Existenz des Staates Israel als progressiven Akt in Verbindung stehend gesehen wird. Das dies leider kein „Tiktok-Einzelfall“ ist, sondern ein immer wieder gern genutztes Mittel zur Verzerrung der Tatsachen, lässt sich in unzähligen Beispielen darlegen. So etwa dann, wenn die Verteidigung der Bürger_innen eines demokratischen Staates gegen Terrorangriffe als Krieg zwischen zwei Parteien bezeichnet wird. Oder aber dann, wenn von „israelischen Massaker[n] durch die hochgerüstete Armee an der Bevölkerung von Gaza und die ethnischen Säuberungen in Jerusalem“ (Erklärung internationalistischer, migrantischer Linker in Göttingen, Quelle: Instagram bipoc_kollektiv_goe) die Rede ist. Weder kann bei diesem Konflikt von einer „Vertreibung“ noch von einem „Massaker“ gesprochen werden. Dazu genügt bereits ein Blick ins Lexikon. Dass der Rechtsstreit um die häuslichen Heimaten der palästinensischen Familien auf einer individuellen Ebene Leid verursacht, darüber muss nicht diskutiert werden. Aber macht es das schon zu einer „ethnischen Säuberung“?

Anlässlich der massiven Raketenangriffe (über 4000) auf die israelische Zivilbevölkerung und der vielen Geschosse (ca. 450) auf die eigene palästinensische Bevölkerung (die Geschosse schafften es nicht über die Grenzen und gingen im Gazastreifen nieder) durch die Hamas lässt sich an einer Verhältnismäßigkeit doch stark zweifeln. Da erscheint es fast wie ein strategisches Kalkül, können doch so die „eigenen“ Opfer dem Nachbarstaat praktischerweise als immer währendem „Kindermörder“ in die Schuhe geschoben werden. Nicht fehlen darf in dieser Logik die Bezugnahme auf die Staatsgründung Israels als den Akt einer „kolonialistischen Besatzungsmacht“, welche sich breit macht auf „eigentlich palästinensischem Land“. Diese ebenfalls nationalistische Erzählung bot schon immer guten Stoff und gilt als eines der Hauptnarrative im Nahostkonflikt. Sie verkennt jedoch, dass seit jeher sowohl jüdische als auch arabische (mitnichten immer palästinensische) Menschen auf dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet lebten. Interessant ist darüber hinaus die Tatsache, dass für fast alle geflüchteten Menschen weltweit die UNHR zuständig ist, für die geflüchteten Palästinenser_innen hingegen ausschließlich die UNRWA, die neben der Finanzierung antisemitischer Hetz-Schulbücher auch am sogenannten Rückkehrrecht aller ursprünglich geflüchteten und nachgeborenen Palästinenser_innen in israelisches Staatsgebiet festhält.[2] Dies würde nicht nur ein Ende eines jüdischen Staates bedeuten, sondern verhindert darüber hinaus die Integration der meist seit Jahrzehnten in Flüchtlingscamps darbenden Palästinenser_innen in den arabischen Nachbar- und (Zu)Flucht(s)ländern.

Antisemitismus ist die Halbwahrheit und „das Gerücht über die Juden“. Diese Gerüchte und verstümmelten Realitäten werden medial in die Welt gespien und von linken, rechten und bürgerlichen Antisemit_innen und einfältigen Freund_innen der manichäischen „Robin-Hood-Romantik“ dankbar aufgegriffen: Israel, der Jude unter den Staaten, den Vernichtungsfantasien seiner Gegner_innen nur durch militärische Stärke trotzend, das muss doch der dämonische Goliath sein. Und der kleine gerechte David, das passt doch gut auf das propagierte Bild der Palästinenser_innen. So wären wir wieder angekommen in den 2000er Jahren, in denen es noch einfach war. Da wusste die Linke noch, dass man sich nur mit den scheinbar Unterdrückten der Welt solidarisieren musste, um irgendwie „auf der richtigen Seite“ zu stehen. Insofern ist der Nahostkonflikt doch auch bloß ein Klassenkonflikt und die Fronten sind geklärt. Dass auch ein vermeintlich linker Befreiungsnationalismus nie eine gute Idee und die palästinensische „Sache“ ultranationalistisch (ehemals panarabisch) bis islamistisch ist, stört die heutige ebenso wenig wie die einstige Linke. Dass sich die internationale Rechte und die international(istische) Linke jedweder Couleur gegen Israel zusammenfinden, wird vielfach ebenso wenig kritisch gesehen, wie deren gemeinsame Sache mit Nationalist_innen und Islamist_innen. Die Leidtragenden dieser unsäglichen antisemitischen Identitätspolitik sind nicht nur Israelis und Palästinenser_innen, sondern auch Juden und Jüdinnen weltweit, die sich der ganz realen Bedrohung des Mobs ausgeliefert sehen.

Auch wenn sich eine vermehrte Bereitschaft der öffentlichen Positionierung gegen Antisemitismus und Judenhass vernehmen lässt, ist doch die Anzahl jener, die sich „gegen Israel“ in Stellung bringen, um ein Vielfaches höher. So bleibt der große Aufschrei aus. Insbesondere die deutsche Linke scheint entweder in einer Art Schockstarre zu verharren oder diskutiert vielleicht noch darüber, mit wem man ein potenzielles Bündnis in der Zukunft mehr verschmerzen kann. Vielleicht ist es aber auch die Angst, plötzlich doch nicht mehr so weit von den unliebsamen Konservativen entfernt zu sein und so belässt man es bei dezenten Bittrufen.
Dabei wäre es, wenn es nicht schon zu spät ist, doch höchste Zeit, sich jedem Antisemitismus entgegenzusetzen. Denn was leider immer noch gilt, sind die weisen Worte eines leider viel zu früh von uns gegangenen Jean Améry: „Der Augenblick einer Revision und neuen geistigen Selbstbestreitung der Linken ist gekommen; denn sie ist es, die dem Antisemitismus eine ehrlose dialektische Ehrbarkeit zurückgibt. Die Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden ist wider die Natur, Sünde wider den Geist, um in der vom Thema erzwungenen Terminologie zu bleiben. (…) Es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus. Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen „Überlegungen zur Judenfrage“: „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.““ (Jean Améry (1969): Der ehrbare Antisemitismus)

[1] Antisemitismus allerdings als ausschließlich „importiertes Problem“ darzustellen, wie wir es ebenfalls beobachten konnten und damit rassistische Denkmuster zu bedienen, ist ebenfalls falsch. Dies lenkt davon ab, den Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Problem zu betrachten – unser Kampf gilt jedem Antisemitismus.

[2] Die Anzahl der Menschen, denen in diesem Sinne ein Rückkehrrecht zugesprochen wird, entwickelte sich über die Zeit von 470 000 auf 4,5 Millionen Menschen (Progress Report des Vermittlers der Vereinten Nationen für Palästina, dem Generalsekretär zur Weiterleitung an die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen übergeben; offizielle Berichte der Vollversammlung: Dritte Sitzung, Ergänzung NO. 11 (A\648), Paris 1948, S. 47 und Ergänzung No. 11A (A\698 und A\689\Add.1, S. 5.).

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Weiblicher Widerstand gegen das NS Regime – Antifaschistinnen der NS Zeit in Sachsen

Ausstrahlung Samstag – 05. Dezember 2020 – 18 Uhr – Stadtradio Göttingen
Wiederholung: Freitag – 25. Dezember 2020 – 18 Uhr – Stadtradio Göttingen

Ihr wollt unser Gespräch nachhören? >>> Hier gehts zum Podcast <<<

Im Gespräch wird ein Überblick über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Sachsen vermittelt bzw. auf bestehende Forschungslücken aufmerksam gemacht. Repräsentanz von Frauen in den später widerständigen Milieus vor 1933 und der Rolle von Frauen im Widerstand werden ebenso thematisiert wie Faktoren ihrer weitgehenden Unsichtbarmachung.

Lu und Wolf vom Educat-Kollektiv arbeiten seit mehreren Jahren zu Nationalsozialismus und Widerstand in der Region, sowohl in der Archiv-Recherche als auch als Guides im Elbsandsteingebirge.

Die Veranstaltung wird ab dem 05. Dezember auch online unter https://www.gedenken-an-die-opfer-des-nationalsozialismus.de/ nachzuhören sein.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt.

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In Gedenken an die Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau

Redebeitrag, gehalten auf einer Gedenk-Kundgebung sechs Monate nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 in Hanau.

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen, liebe Vorbeigehende!

Am 19. Februar 2020, heute vor sechs Monaten, erschoss ein Attentäter in Hanau neun Menschen, die er, seinem Weltbild entsprechend, für nichtdeutsch hielt und verletzte fünf weitere. Am Anschluss daran erschoss er seine Mutter und sich selbst.

Wir sind heute hier zusammengekommen, um an den rassistisches Anschlag vom 19. Februar in Hanau zu erinnern und der Opfer zu gedenken:

Ferhat Unvar
Mercedes Kierpacz
Sedat Gürbüz
Gökhan Gültekin
Hamza Kurtović
Kaloyan Velkov
Vili Viorel Păun
Said Nesar Hashemi
Fatih Saraçoğlu
Gabriele Rathjen

Der Täter hat nicht „wahllos“ gemordet, wie es in einigen Pressemeldungen hieß. Vor der Tat hat er ein Manifest und ein Bekennervideo veröffentlicht; beide strotzen nur so vor Rassismus, (wahnhaftem) Antisemitismus, Misogynie und Verschwörungsmythen. Man könnte also annehmen, dass es sich bei ihm um einen rechtsextremen Terroristen handeln müsse. Jedoch sahen das einige Medien und natürlich auch die AFD anders.  So etwa wurde die alte Mär des psychisch kranken Einzeltäters wieder ausgepackt: Gottfried Curio, der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, attestierte ihm zum Beispiel eine Psychose. Laut Medienberichten sei das BKA zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei ihm nicht um einen rechtsextremen Täter gehandelt habe. Auch wenn es eine rassistische Tat gewesen sei, sei er dennoch kein Rechtsextremist gewesen. Dass ein völkisch-rassistisches Weltbild, aufgrund dessen er in Hanau gemordet hat, elementarer Teil rechter Ideoligie ist, wird außer Acht gelassen. Das BKA hat mittlerweile dementiert, zu dieser Einschätzung gekommen zu sein. Der Abschlussbericht des BKA ist bislang jedoch nicht veröffentlicht worden.
Gleichzeitig wurde in der Berichterstattung über den Terroranschlag das Narrativ weitergeführt, dass ein Deutscher, also „einer von uns“ „einige von denen“, nämlich Migrant_innen oder (noch unpräziser) „Ausländer_innen“ erschossen hat. Dass viele der Opfer selbst gar nicht migriert sind, erscheint auf diese Weise unwichtig. Rassistische Berichterstattung hat wie rechter Terror Kontinuität in Deutschland und das nicht erst seit dem NSU, auch wenn der hier geprägte Begriff der „Döner-Morde“ ein trauriges Paradebeispiel ist.
In Göttingen selbst konnten wir jüngst erneut die Gefahr einer solchen Berichterstattung und der damit einhergehenden rassistischen Stimmungsmache beobachten, zuerst bei den Berichten über den Covid19-Ausbruch im Iduna Zentrum und nur kurze Zeit später, als es über den gerechtfertigten Protest gegen die menschenunwürdigen Zustände in der Gronerlandstraße in verschiedenen Medien bloß hieß, dort würden „wütende Migrant_innen randalieren“. Vollkommen unterschlagen wurde bei letzterem die gewollte Eskalation vor dem Wohnkomplex seitens Stadt und Polizei und ihr brutales Vorgehen gegen die Bewohner_innen inklusive Pfeffersprayeinsatz unter Anderem gegen Kinder. Eine differenzierte Berichterstattung hätte die Situation in der Gronerlandstraße in Gänze beleuchten müssen. Stattdessen wurden reißerische Überschriften formuliert, unter denen sich vor allem in den sozialen Netzwerk schnell ein agressiver Mob zusammenfindet, der  solch ein rassisitisches Klima noch weiter befeuert. Hasskriminalität und rechter Terror passieren nicht in Isolation. Rechte Terroristen sind keine Einzeltäter!

Sobald etwas passiert – Halle, Hanau, die Ermordung von George Floyd in den USA, Drohbriefe von hessischen Polizeicomuputern – sind die abendlichen Talkshows voll von denen, die gebetsmühelartig wiederholen, man hätte daraus gelernt, die Aufklärung würde nun passieren und vor Allem sei es ja sowieso auch „Angriff auf uns alle gewesen“ und deswegen natürlich schlimm.
Es scheint nahezu absurd, dass man nach dem Anschlag von Hanau wenigstens postiv bemerken muss/kann, dass man in den Fernsehredaktionen langsam auf die Idee kommt, auch mal von Rassismus Betroffene in diese einzuladen. Aber danach? Anschläge wie der von Hanau verschwinden viel zu schnell wieder aus den Medien, sobald andere Meldungen interessanter werden. Der Versuch, zu verstehen, was am 19. Februar in Hanau passiert ist wird den Angehörigen überlassen und die Opfer waren schnell vergessen.

Der Anschlag muss endlich konsequent als das benannt werden, was er ist: rechter Terror! Dies ist für eine gesellschaftliche Debatte und auch die noch ausstehende politische Reaktion darauf unabdingbar! Rechter Terror und Gewalt dürfen nicht immer nur dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn schon wieder Menschen ermordet worden sind.

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Corona ist ein Problem – aber nicht wegen Bill Gates

Statement anlässlich der so genannten ‚Corona-Rebellen‘ Proteste im Mai 2020

Seit Wochen protestieren in Deutschland selbsternannte „Corona Kritiker_innen“ gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. So auch in Göttingen.

Vieles, was bis vor kurzem als „Normalität“ galt, ist nicht mehr selbstverständlich, die Zukunft ungewiss. Die ergriffenen Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus sind wichtig, beschneiden allerdings auch individuelle Freiheiten. Dies führt bei Vielen zu großer Verunsicherung, Angst und dem Gefühl von Kontrollverlust.

Verschwörung getarnt als Protest

Eine Reaktion auf diese Verunsicherung ist häufig die Hinwendung zu Verschwörungstheorien, wie sie unter anderem auch die „Corona Rebellen“ in Göttingen verbreiten. Diese sind eine wilde Mischung aus Linken, Liberalen, Hippies, vermeintlichen Demokrat_innen, aber auch Anhänger_innen der extremen Rechten. Sie vereint ein gemeinsames Ablehnen der aktuellen staatlichen Maßnahmen. Ihre Gründe sind divers. Geht es Liberalen primär um die Thematisierung negativer wirtschaftlicher Folgen, formulieren Andere eine diffuse Kritik an „den da Oben“. Manche sehnen sich aber auch ganz offen nach einer „völkisch reinen Gesellschaft“. Alle „alternativen Deutungen“ erweisen sich in letzter Konsequenz als Verschwörungstheorien, durch die versucht wird, ein komplexes gesellschaftliches Phänomen (hier: Corona) möglichst einfach zu erklären. Das Perfide daran ist, dass es oft mehr als müßig ist, diese Ansichten durch rationale Argumente zu entkräften. Jeder Einwand wird bereits als Teil einer gegenteiligen Verschwörung gedeutet.

Verschwörungstheorien sind nicht immer offen antisemitisch – in ihrem Kern aber schon. Seit dem Mittelalter kursieren in Krisenzeiten immer wieder Welterklärungen, in denen eine kleine Gruppe für alles Schlechte und Komplizierte verantwortlich gemacht wird. Das Spektrum antisemitischer Zuschreibungen ist dabei sehr variabel und häufig gegenstandsbezogen. Von den „ChristusmörderInnen“ und „BrunnenvergifterInnen“ über das „Finanzkapital“, zu George Soros oder Bill Gates, der uns alle zwangsimpfen und zwangschippen will. Ist das Narrativ einmal gesetzt, ist es egal, ob Gates wirklich Jude ist oder nicht. Die aufgestellte Theorie braucht keine ‚Wahrheit‘ für ihre Rechtfertigung.

Mut, Widersprüche auszuhalten

Grade in diesen Zeiten der Krise offenbart sich einmal mehr, dass diese kapitalistisch strukturierte Gesellschaft keine gerechte sein kann. So ist es nicht verwunderlich, dass ein nach neoliberaler Maßgabe umstrukturiertes Gesundheitssystem, welches sich in den letzten Jahrzehnten nach marktwirtschaftlichen Gesetzen des Konkurrenzverhältnisses und der Profitmaximierung orientiert hat und nicht, was für den oder die Patient_in am besten ist, sicherlich nicht im Sinne des hippokratischen Eides agiert. Zur Impfgegnerin zu werden ist aber weder legitimer Protest noch medizinisch sinnvoll. Wenn die Welt Dir Kopfschmerzen bereitet, ist es ok, eine Schmerztablette zu nehmen und trotzdem für bessere Verhältnisse auf die Straße zu gehen.

Solidarität statt Hetze

Dass das Tragen einer Behelfsmaske solidarisch sein kann, um Andere nicht anzustecken, ignorieren die Kritiker_innen. Zu behaupten, die Maskenpflicht sei ein Schritt in die Diktatur, zeugt vor allem von Ignoranz und Geschichtsvergessenheit. Es wird sich wegen eines Stück Stoffs dermaßen zum Opfer stilisiert, dass nicht mal die Identifikation mit Menschen, die unter Diktaturen leiden mussten oder immer noch müssen gescheut wird.

Gegen Antisemitismus und Verschwörungsideologien!

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Den Shah loswerden und die Mullahs bekommen: Wie eine erfolgreiche Revolution der Emanzipation im Weg steht.

Diesen Artikel schrieben wir für die Zeitschrift Phase 2. Ihr findet ihn auch in der Ausgabe 57 aus dem Frühjahr 2020. 21. Februar 2019. Frank-Walter Steinmeier gratuliert den Machthabern im Iran zu 40 Jahren erfolgreicher Revolution. Was „erfolgreiche Revolution“ auch … Weiterlesen

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„Liza ruft!“

Filmvorführung in Anwesenheit des Regisseurs

„Liza ruft!“ ist ein bewegender und politischer Dokumentar­film über den Holo­caust, den jüdischen Widerstand und die Erinnerungs­politik in Litauen und das erste Porträt einer ehemaligen jüdischen Partisanin überhaupt. Im Gespräch mit Fania Brantsovskaya, ihren Angehörigen und Weg­gefährt*innen schafft „Liza ruft!“ das intime und lebendige Bild einer beein­druckenden Frau, die beides ist: ein Opfer von fort­währender Verfolgung ebenso wie eine unermüd­liche und streit­bare Akteurin im Kampf für Freiheit und Gerechtig­keit.

Ein Mitglied des Filmteams steht anschließend zur Diskussion zur Verfügung.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Erinnerung transgenerationell

Vortrag und Diskussion von und mit Kurt Grünberg (Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt)

Die Erinnerungen von Zeitzeug*innen spielen eine bedeutende Rolle im Gedenken an die Opfer des National­sozialismus. Heute, fast 75 Jahre nach Ende der national­sozialistischen Terrorherrschaft, können immer weniger Überlebende von ihren Erlebnissen berichten. Die Erinnerungen ihrer Nachkommen, Angehörigen und Freund*innen, sogenannten Zweitzeug*innen, erlangen dadurch eine neue, größere Bedeutung. Verändert sich das Gedenken an die Opfer des National­sozialismus, wenn uns nicht mehr die unmittelbaren Zeitzeug*innen berichten können? Und wie werden überhaupt Erinnerungen und die damit verbundenen extremen Traumata weitergegeben?

Dr. Kurt Grünberg arbeitet als Psychoanalytiker seit Jahrzehnten mit Überlebenden und ihren Angehörigen. Er forscht zu den psychosozialen Spätfolgen der Shoah und zur transgenerationellen Weitergabe von Erinnerungen und Traumata.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Jüdischer Widerstand im National­sozialismus – Ein Vortrag

Ein Vortrag mit Conrad Kunze in Kooperation mit dem Jüdischen Lehrhaus Göttingen

Ein geheimer Brief, eine verweigerte Geste — subtile Handlungen ebenso wie offenes Aufbegehren — Widerstand in einem totalitären Herrschaftssystem wie dem National­sozialismus nahm unzählige Formen an. Die totalitäre Herrschaft des National­sozialismus erscheint in Gesprächen und in den Erinnerungsdiskursen als ein Phänomen, dem kaum etwas entgegenzusetzen war. Der Jüdische Widerstand ruft hingegen in Erinnerung, dass auf allen Ebenen und mit allen Mitteln Widerständigkeit möglich war und auch geleistet wurde. Manches davon blieb unbemerkt, vieles aber wurde verschwiegen und ist vergessen.

Im Vortrag soll ein Blick auf einen Ausschnitt dessen geworfen werden, was Jüdinnen und Juden gegen die national­sozialistische Herrschaft und ihr anti­semitisches Vernichtungsprojekt unternahmen.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Jüdischer Widerstand im National­sozialismus – Eine Ausstellung

Eine Ausstellung veranstaltet in Kooperation mit dem Jüdischen Lehrhaus Göttingen

Die Ausstellung informiert über verschiedene Formen, Orte und Ausprägungen jüdischen Widerstands im National­sozialismus: Von erfolgreichen Aufständen, wie denen in den Vernichtungs­lagern Sobibór und Treblinka, über den verzweifelten Widerstand der Jüdinnen und Juden des Warschauer Ghettos, bis hin zu der unbekannteren Geschichte jüdischer Fallschirms­pringer*innen aus dem Mandatsgebiet Palästina, die sich über Europa absetzen ließen, um den Widerstand in Ghettos und Konzentrations­lagern zu organisieren. Die Ausstellung wird jeweils zu den Öffnungs­zeiten im Bistro Löwenstein zu sehen sein.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Jüdischer Widerstand im Nationalsozialismus

Die Ausstellung informiert über verschiedene Formen, Orte und Ausprägungen jüdischen Widerstands im Nationalsozialismus: Von erfolgreichen Aufständen, wie denen in den Vernichtungslagern Sobibór und Treblinka, über den verzweifelten Widerstand der Jüdinnen und Juden des Warschauer Ghettos, bis hin zu der unbekannteren Geschichte jüdischer FallschirmspringerInnen aus dem Mandatsgebiet Palästina, die sich über Europa absetzen ließen, um den Widerstand in Ghettos und Konzentrationslagern zu organisieren.

Die Ausstellung kann bei uns ausgeliehen werden.

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