Weiblicher Widerstand gegen das NS Regime – Antifaschistinnen der NS Zeit in Sachsen

Ausstrahlung Samstag – 05. Dezember 2020 – 18 Uhr – Stadtradio Göttingen
Wiederholung: Freitag – 25. Dezember 2020 – 18 Uhr – Stadtradio Göttingen

Im Gespräch wird ein Überblick über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Sachsen vermittelt bzw. auf bestehende Forschungslücken aufmerksam gemacht. Repräsentanz von Frauen in den später widerständigen Milieus vor 1933 und der Rolle von Frauen im Widerstand werden ebenso thematisiert wie Faktoren ihrer weitgehenden Unsichtbarmachung.

Wolf Meyer vom Educat-Kollektiv arbeitet seit mehreren Jahren zu Nationalsozialismus und Widerstand in der Region, sowohl in der Archiv-Recherche als auch als Guide im Elbsandsteingebirge.

Die Veranstaltung wird ab dem 05. Dezember auch online unter https://www.gedenken-an-die-opfer-des-nationalsozialismus.de/ nachzuhören sein.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt.

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Historisch-kritischer Stadtrundgang zu Göttinger Studentenverbindungen

Mittwoch – 04. November 2020 – 14 Uhr
G7-Denkmal Z-Campus – Platz der Göttinger Sieben

Mit diesem Stadtrundgang laden wir zu einem kritischen Blick in die Geschichte deutscher Burschenschaften und Studentenverbindungen ein. Dabei gehen wir an unterschiedlichen Verbindungshäusern vorbei und illustrieren anhand der jeweiligen 
Verbindung einen Teil deutscher Geschichte und die Rolle, die diese Verbindung darin 
gespielt hat.

Es geht uns in dem Rundgang zum einen um differenzierte und fundierte Kritik, die auch die Unterschiedlichkeit von Burschenschaften, gemischtgeschlechtlichen- und Damenverbindungen einbezieht. Zum anderen wollen wir aber auch korporierter Mythenbildung und Geschichtsverklärung entgegenwirken.

Der Rundgang findet im Rahmen der Alternativen O-Phase statt und wird ca. 2 Stunden dauern.

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In Gedenken an die Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau

Redebeitrag, gehalten auf einer Gedenk-Kundgebung sechs Monate nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 in Hanau.

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen, liebe Vorbeigehende!

Am 19. Februar 2020, heute vor sechs Monaten, erschoss ein Attentäter in Hanau neun Menschen, die er, seinem Weltbild entsprechend, für nichtdeutsch hielt und verletzte fünf weitere. Am Anschluss daran erschoss er seine Mutter und sich selbst.

Wir sind heute hier zusammengekommen, um an den rassistisches Anschlag vom 19. Februar in Hanau zu erinnern und der Opfer zu gedenken:

Ferhat Unvar
Mercedes Kierpacz
Sedat Gürbüz
Gökhan Gültekin
Hamza Kurtović
Kaloyan Velkov
Vili Viorel Păun
Said Nesar Hashemi
Fatih Saraçoğlu
Gabriele Rathjen

Der Täter hat nicht „wahllos“ gemordet, wie es in einigen Pressemeldungen hieß. Vor der Tat hat er ein Manifest und ein Bekennervideo veröffentlicht; beide strotzen nur so vor Rassismus, (wahnhaftem) Antisemitismus, Misogynie und Verschwörungsmythen. Man könnte also annehmen, dass es sich bei ihm um einen rechtsextremen Terroristen handeln müsse. Jedoch sahen das einige Medien und natürlich auch die AFD anders.  So etwa wurde die alte Mär des psychisch kranken Einzeltäters wieder ausgepackt: Gottfried Curio, der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, attestierte ihm zum Beispiel eine Psychose. Laut Medienberichten sei das BKA zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei ihm nicht um einen rechtsextremen Täter gehandelt habe. Auch wenn es eine rassistische Tat gewesen sei, sei er dennoch kein Rechtsextremist gewesen. Dass ein völkisch-rassistisches Weltbild, aufgrund dessen er in Hanau gemordet hat, elementarer Teil rechter Ideoligie ist, wird außer Acht gelassen. Das BKA hat mittlerweile dementiert, zu dieser Einschätzung gekommen zu sein. Der Abschlussbericht des BKA ist bislang jedoch nicht veröffentlicht worden.
Gleichzeitig wurde in der Berichterstattung über den Terroranschlag das Narrativ weitergeführt, dass ein Deutscher, also „einer von uns“ „einige von denen“, nämlich Migrant_innen oder (noch unpräziser) „Ausländer_innen“ erschossen hat. Dass viele der Opfer selbst gar nicht migriert sind, erscheint auf diese Weise unwichtig. Rassistische Berichterstattung hat wie rechter Terror Kontinuität in Deutschland und das nicht erst seit dem NSU, auch wenn der hier geprägte Begriff der „Döner-Morde“ ein trauriges Paradebeispiel ist.
In Göttingen selbst konnten wir jüngst erneut die Gefahr einer solchen Berichterstattung und der damit einhergehenden rassistischen Stimmungsmache beobachten, zuerst bei den Berichten über den Covid19-Ausbruch im Iduna Zentrum und nur kurze Zeit später, als es über den gerechtfertigten Protest gegen die menschenunwürdigen Zustände in der Gronerlandstraße in verschiedenen Medien bloß hieß, dort würden „wütende Migrant_innen randalieren“. Vollkommen unterschlagen wurde bei letzterem die gewollte Eskalation vor dem Wohnkomplex seitens Stadt und Polizei und ihr brutales Vorgehen gegen die Bewohner_innen inklusive Pfeffersprayeinsatz unter Anderem gegen Kinder. Eine differenzierte Berichterstattung hätte die Situation in der Gronerlandstraße in Gänze beleuchten müssen. Stattdessen wurden reißerische Überschriften formuliert, unter denen sich vor allem in den sozialen Netzwerk schnell ein agressiver Mob zusammenfindet, der  solch ein rassisitisches Klima noch weiter befeuert. Hasskriminalität und rechter Terror passieren nicht in Isolation. Rechte Terroristen sind keine Einzeltäter!

Sobald etwas passiert – Halle, Hanau, die Ermordung von George Floyd in den USA, Drohbriefe von hessischen Polizeicomuputern – sind die abendlichen Talkshows voll von denen, die gebetsmühelartig wiederholen, man hätte daraus gelernt, die Aufklärung würde nun passieren und vor Allem sei es ja sowieso auch „Angriff auf uns alle gewesen“ und deswegen natürlich schlimm.
Es scheint nahezu absurd, dass man nach dem Anschlag von Hanau wenigstens postiv bemerken muss/kann, dass man in den Fernsehredaktionen langsam auf die Idee kommt, auch mal von Rassismus Betroffene in diese einzuladen. Aber danach? Anschläge wie der von Hanau verschwinden viel zu schnell wieder aus den Medien, sobald andere Meldungen interessanter werden. Der Versuch, zu verstehen, was am 19. Februar in Hanau passiert ist wird den Angehörigen überlassen und die Opfer waren schnell vergessen.

Der Anschlag muss endlich konsequent als das benannt werden, was er ist: rechter Terror! Dies ist für eine gesellschaftliche Debatte und auch die noch ausstehende politische Reaktion darauf unabdingbar! Rechter Terror und Gewalt dürfen nicht immer nur dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn schon wieder Menschen ermordet worden sind.

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Corona ist ein Problem – aber nicht wegen Bill Gates

Statement anlässlich der so genannten ‚Corona-Rebellen‘ Proteste im Mai 2020

Seit Wochen protestieren in Deutschland selbsternannte „Corona Kritiker_innen“ gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. So auch in Göttingen.

Vieles, was bis vor kurzem als „Normalität“ galt, ist nicht mehr selbstverständlich, die Zukunft ungewiss. Die ergriffenen Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus sind wichtig, beschneiden allerdings auch individuelle Freiheiten. Dies führt bei Vielen zu großer Verunsicherung, Angst und dem Gefühl von Kontrollverlust.

Verschwörung getarnt als Protest

Eine Reaktion auf diese Verunsicherung ist häufig die Hinwendung zu Verschwörungstheorien, wie sie unter anderem auch die „Corona Rebellen“ in Göttingen verbreiten. Diese sind eine wilde Mischung aus Linken, Liberalen, Hippies, vermeintlichen Demokrat_innen, aber auch Anhänger_innen der extremen Rechten. Sie vereint ein gemeinsames Ablehnen der aktuellen staatlichen Maßnahmen. Ihre Gründe sind divers. Geht es Liberalen primär um die Thematisierung negativer wirtschaftlicher Folgen, formulieren Andere eine diffuse Kritik an „den da Oben“. Manche sehnen sich aber auch ganz offen nach einer „völkisch reinen Gesellschaft“. Alle „alternativen Deutungen“ erweisen sich in letzter Konsequenz als Verschwörungstheorien, durch die versucht wird, ein komplexes gesellschaftliches Phänomen (hier: Corona) möglichst einfach zu erklären. Das Perfide daran ist, dass es oft mehr als müßig ist, diese Ansichten durch rationale Argumente zu entkräften. Jeder Einwand wird bereits als Teil einer gegenteiligen Verschwörung gedeutet.

Verschwörungstheorien sind nicht immer offen antisemitisch – in ihrem Kern aber schon. Seit dem Mittelalter kursieren in Krisenzeiten immer wieder Welterklärungen, in denen eine kleine Gruppe für alles Schlechte und Komplizierte verantwortlich gemacht wird. Das Spektrum antisemitischer Zuschreibungen ist dabei sehr variabel und häufig gegenstandsbezogen. Von den „ChristusmörderInnen“ und „BrunnenvergifterInnen“ über das „Finanzkapital“, zu George Soros oder Bill Gates, der uns alle zwangsimpfen und zwangschippen will. Ist das Narrativ einmal gesetzt, ist es egal, ob Gates wirklich Jude ist oder nicht. Die aufgestellte Theorie braucht keine ‚Wahrheit‘ für ihre Rechtfertigung.

Mut, Widersprüche auszuhalten

Grade in diesen Zeiten der Krise offenbart sich einmal mehr, dass diese kapitalistisch strukturierte Gesellschaft keine gerechte sein kann. So ist es nicht verwunderlich, dass ein nach neoliberaler Maßgabe umstrukturiertes Gesundheitssystem, welches sich in den letzten Jahrzehnten nach marktwirtschaftlichen Gesetzen des Konkurrenzverhältnisses und der Profitmaximierung orientiert hat und nicht, was für den oder die Patient_in am besten ist, sicherlich nicht im Sinne des hippokratischen Eides agiert. Zur Impfgegnerin zu werden ist aber weder legitimer Protest noch medizinisch sinnvoll. Wenn die Welt Dir Kopfschmerzen bereitet, ist es ok, eine Schmerztablette zu nehmen und trotzdem für bessere Verhältnisse auf die Straße zu gehen.

Solidarität statt Hetze

Dass das Tragen einer Behelfsmaske solidarisch sein kann, um Andere nicht anzustecken, ignorieren die Kritiker_innen. Zu behaupten, die Maskenpflicht sei ein Schritt in die Diktatur, zeugt vor allem von Ignoranz und Geschichtsvergessenheit. Es wird sich wegen eines Stück Stoffs dermaßen zum Opfer stilisiert, dass nicht mal die Identifikation mit Menschen, die unter Diktaturen leiden mussten oder immer noch müssen gescheut wird.

Gegen Antisemitismus und Verschwörungsideologien!

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Den Shah loswerden und die Mullahs bekommen: Wie eine erfolgreiche Revolution der Emanzipation im Weg steht.

Diesen Artikel schrieben wir für die Zeitschrift Phase 2. Ihr findet ihn auch in der Ausgabe 57 aus dem Frühjahr 2020. 21. Februar 2019. Frank-Walter Steinmeier gratuliert den Machthabern im Iran zu 40 Jahren erfolgreicher Revolution. Was „erfolgreiche Revolution“ auch … Continue reading

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„Liza ruft!“

Filmvorführung in Anwesenheit des Regisseurs

„Liza ruft!“ ist ein bewegender und politischer Dokumentar­film über den Holo­caust, den jüdischen Widerstand und die Erinnerungs­politik in Litauen und das erste Porträt einer ehemaligen jüdischen Partisanin überhaupt. Im Gespräch mit Fania Brantsovskaya, ihren Angehörigen und Weg­gefährt*innen schafft „Liza ruft!“ das intime und lebendige Bild einer beein­druckenden Frau, die beides ist: ein Opfer von fort­währender Verfolgung ebenso wie eine unermüd­liche und streit­bare Akteurin im Kampf für Freiheit und Gerechtig­keit.

Ein Mitglied des Filmteams steht anschließend zur Diskussion zur Verfügung.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Erinnerung transgenerationell

Vortrag und Diskussion von und mit Kurt Grünberg (Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt)

Die Erinnerungen von Zeitzeug*innen spielen eine bedeutende Rolle im Gedenken an die Opfer des National­sozialismus. Heute, fast 75 Jahre nach Ende der national­sozialistischen Terrorherrschaft, können immer weniger Überlebende von ihren Erlebnissen berichten. Die Erinnerungen ihrer Nachkommen, Angehörigen und Freund*innen, sogenannten Zweitzeug*innen, erlangen dadurch eine neue, größere Bedeutung. Verändert sich das Gedenken an die Opfer des National­sozialismus, wenn uns nicht mehr die unmittelbaren Zeitzeug*innen berichten können? Und wie werden überhaupt Erinnerungen und die damit verbundenen extremen Traumata weitergegeben?

Dr. Kurt Grünberg arbeitet als Psychoanalytiker seit Jahrzehnten mit Überlebenden und ihren Angehörigen. Er forscht zu den psychosozialen Spätfolgen der Shoah und zur transgenerationellen Weitergabe von Erinnerungen und Traumata.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Jüdischer Widerstand im National­sozialismus – Ein Vortrag

Ein Vortrag mit Conrad Kunze in Kooperation mit dem Jüdischen Lehrhaus Göttingen

Ein geheimer Brief, eine verweigerte Geste — subtile Handlungen ebenso wie offenes Aufbegehren — Widerstand in einem totalitären Herrschaftssystem wie dem National­sozialismus nahm unzählige Formen an. Die totalitäre Herrschaft des National­sozialismus erscheint in Gesprächen und in den Erinnerungsdiskursen als ein Phänomen, dem kaum etwas entgegenzusetzen war. Der Jüdische Widerstand ruft hingegen in Erinnerung, dass auf allen Ebenen und mit allen Mitteln Widerständigkeit möglich war und auch geleistet wurde. Manches davon blieb unbemerkt, vieles aber wurde verschwiegen und ist vergessen.

Im Vortrag soll ein Blick auf einen Ausschnitt dessen geworfen werden, was Jüdinnen und Juden gegen die national­sozialistische Herrschaft und ihr anti­semitisches Vernichtungsprojekt unternahmen.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Jüdischer Widerstand im National­sozialismus – Eine Ausstellung

Eine Ausstellung veranstaltet in Kooperation mit dem Jüdischen Lehrhaus Göttingen

Die Ausstellung informiert über verschiedene Formen, Orte und Ausprägungen jüdischen Widerstands im National­sozialismus: Von erfolgreichen Aufständen, wie denen in den Vernichtungs­lagern Sobibór und Treblinka, über den verzweifelten Widerstand der Jüdinnen und Juden des Warschauer Ghettos, bis hin zu der unbekannteren Geschichte jüdischer Fallschirms­pringer*innen aus dem Mandatsgebiet Palästina, die sich über Europa absetzen ließen, um den Widerstand in Ghettos und Konzentrations­lagern zu organisieren. Die Ausstellung wird jeweils zu den Öffnungs­zeiten im Bistro Löwenstein zu sehen sein.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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Jüdischer Widerstand im Nationalsozialismus

Die Ausstellung informiert über verschiedene Formen, Orte und Ausprägungen jüdischen Widerstands im Nationalsozialismus: Von erfolgreichen Aufständen, wie denen in den Vernichtungslagern Sobibór und Treblinka, über den verzweifelten Widerstand der Jüdinnen und Juden des Warschauer Ghettos, bis hin zu der unbekannteren Geschichte jüdischer FallschirmspringerInnen aus dem Mandatsgebiet Palästina, die sich über Europa absetzen ließen, um den Widerstand in Ghettos und Konzentrationslagern zu organisieren.

Die Ausstellung kann bei uns ausgeliehen werden.

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Heimat – eine Besichtigung des Grauens. Ein Anti-Heimatabend mit Thomas Ebermann und Thorsten Mense

Donnerstag – 03. Oktober 2019 – 20 Uhr
Lumière – Geismar Landstraße 19

Heimat. Eine Besichtigung des Grauens.
Ein Anti-Heimatabend mit Thomas Ebermann und Thorsten Mense

Mit ihr wird für Zahnpasta und Banken geworben, der Trachtenhandel erzielt Umsatzrekorde und das provinzielle Kostüm enthemmt seine Träger/innen. Ein »Volks-Rock’n’Roller« füllt große Arenen mit jungem Publikum, die Bild-Zeitung ehrt sie mit einer kostenlosen Sonderausgabe, die Qualitätsmedien mit Features und Debatten-Serien. Zeitschriften, die das richtige Anlegen von Rosenbeeten lehren, sind der Renner auf dem Medienmarkt. Grüne plakatieren ihr zur Ehre, Sozialdemokraten melden ältere Besitzansprüche an und beneiden die Christdemokraten um die Idee mit dem Ministerium. Nazis verkünden, die Liebe zur ihr sei kein Verbrechen, und wer sie nicht liebe, sei aus ihr zu entfernen. Linke kontern knallhart: ihre Liebe zu Region und Gebietskörperschaft sei noch viel tiefer, echter und unverbrüchlicher. Die staatlichen Programme zur Förderung solcher Gefühle sind satt budgetiert, und je trostloser das Kaff, desto hymnischer hat der Song zu sein, der seinen Liebreiz besingt. Der deutsche Pop folgt diesem Credo, unsubventioniert und in Privatinitiative.

Hauptsache es wird gefühlt. Und das heißt immer: Allem zersetzenden Denken und jeder kritischen Reflexion wird die Stirn geboten. So fühlt man sich schonmal wie ein Baum, also tief verwurzelt und unumtopfbar, weil sonst Psyche und Identität Schaden erlitten. Manche schnuppern auch an Bratwürsten und behaupten, dann spürten sie Heimat. Vor allem rein und unbefleckt soll sie sein, von ihren Männern beschützt und verteidigt. Im Namen von Idyll, Harmonie, Tradition, Brauchtum, Familie und weiterer Höllen wird gegen die Fremden und das Fremde zu Felde gezogen. Was man bereits ohne Meinungsforschung erkennen konnte, wurde mittlerweile auch empirisch belegt: Je mehr Heimatliebe, desto ausgeprägter die rassistische Gesinnung. Unbeeindruckt davon, stets dem Konstruktiven verpflichtet, bastelt die Zivilgesellschaft an ,alternativen‘ Heimatbegriffen. Und wo noch ein Restwissen oder eine Ahnung vorhanden ist, über die Geschichte dieses rechten Kampfbegriffs, der oft nur ein anderes Wort für ,Blut und Boden‘ war, ist und immer sein wird, zitiert man das letzte Wort aus »Prinzip Hoffnung« des marxistischen Philosophen Ernst Bloch: »Heimat« – und verschafft sich so gutes Gewissen. Das und vieles mehr – das Absurde und das Gefährliche – wird an diesem Abend auf Bühne und Leinwand besichtigt und vorgeführt, nachgespielt und kommentiert, analysiert und vernichtet. Stets parteiisch auf der Seite der historischen und zukünftigen Opfer der Heimat. Wer das für Nestbeschmutzung hält, versteht uns richtig.

Ein Anti-Heimatabend von und mit Thomas Ebermann und Thorsten Mense Künstlerische Mitarbeit: Florian Thamer und Peter Bremme

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Solidarität statt nationaler Fragmentierung – Klassenpolitische Perspektiven auf die EU. Vortrag und Diskussion mit Felix Sassmannshausen

Samstag – 21. September 2019 – 20 Uhr
Theaterkeller – Geismar Landstraße 19

Solidarität statt nationaler Fragmentierung – Klassenpolitische Perspektiven auf die EU
Vortrag und Diskussion mit Felix Sassmannshausen

Linke haben bis heute ein seltsam ungeklärtes Verhältnis zur Europäischen Union. Für die einen ist die EU eine imperiale Ausgeburt des Neoliberalismus und damit rundum abzulehnen. Für die anderen ist die EU ein gegen die Amis gerichtetes humanistisches Märchenland im Werden. Beides ist falsch, sowohl die linkspopulistischen Ressentiments gegen ‚die da oben‘, als auch der grüne Scheinhumanismus in antiamerikanischem Gewand. Richtig wäre die brutale Realität der EU – rassistische Abschottung, Austeritätspolitik, Weltmachtstreben – anzuerkennen und dennoch danach zu fragen, welche Spielräume sie für emanzipatorische Bewegungen bietet, auch um der brutalen Realität mehr als nur Verbalradikalismus entgegen zu setzen.
Hier setzt der Vortrag an und plädiert für eine klassenpolitische Perspektive auf die EU. Er fragt nach Chancen und Möglichkeiten einer transnationalen Arbeiter*innenbewegung im 21. Jahrhundert.

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Redebeitrag anlässlich des CSDs 2019 in Göttingen

Wir sind heute hier, um den ersten CSD in Göttingen zu begehen, dessen Geschichte bereits vor 50 Jahren in New York begann. In den 1960er Jahren war homophobes und transfeindliches Handeln der Polizei in New Yorker Bars und Nachtclubs Alltag. Prägend für den CSD waren damals die Ausschreitungen im Stonewall Inn, wo sich homo- und transsexuelle Jugendliche gegen die sexistischen Razzien der Polizei wehrten.

Seitdem hat sich viel getan. Wir sind gesellschaftlich wesentlich anerkannter, leiden trotz juristischer Ungleichbehandlung nicht mehr so sehr unter staatlicher Repression und mittlerweile dürfen Homosexuelle in Deutschland sogar heiraten, wenn sie das denn wollen. Doch für jede dieser noch so kleinen Verbesserungen haben wir uns selbst zu danken, denn sie mussten hart von emanzipatorischen Bewegungen erkämpft werden.

Wir sind heute hier, um genau das zu feiern: Im Angesicht reaktionärer gesellschaftlicher Entwicklungen sind wir aber auch hier, weil es weiterhin notwendig ist, diese Errungenschaften zu verteidigen und deutlich zu machen, dass der politische Kampf noch längst nicht vorbei ist! Er ist auch deshalb nicht vorbei, weil es uns nicht (nur) um die formale/rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen und Heterosexuellen oder von Frauen und Männern geht.

Feministisch Kämpfen bedeutet für uns…

…zum einen eine Analyse der Gesellschaft, ihrer Grundlagen, Produktionsweisen und historischen Entwicklung. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Form unserer heutigen Gesellschaft nicht natürlich ist, sondern erst im Laufe der Zeit zu dem wurde, was wir heute kennen. Wir leben in einer kapitalistischen Gesellschaft. Kapitalismus, das bedeutet nach Maßstäben zu produzieren, in denen systematisch keine Rücksicht auf die Menschen und ihre Umgebung genommen wird. Primäres Ziel der Produktion ist damit die anhaltende Mehrwertproduktion mit Hilfe der Ausbeutung von Menschen und Natur. Daraus resultieren zwangsläufig Armut, Ungleichheit und die massive Zerstörung unserer Umwelt.

Bevor sich der Kapitalismus entwickelte, gab es aber natürlich auch schon Unterdrückungsverhältnisse. Sie haben sich mit seiner Entstehung aber verändert und eine ganz spezifische und neue Form angenommen. Werfen wir einen Blick auf die Unterdrückung der Frau. Das Patriarchat ist weit aus älter als der Kapitalismus, aber auch seine Unterdrückung wandelte sich im Zuge kapitalistischer Produktion: vermeintlich weibliche Eigenschaften wie Fürsorglichkeit und Emotionalität erfahren systematisch Abwertung und wurden im Laufe der Zeit in den Bereich des Privaten verdrängt. Dagegen versprechen männlich konnotierte Attribute wie Stärke und Durchsetzungsfähigkeit Erfolg im Kampf des kapitalistischen Alltags. Wie diese Abwertung im Kapitalismus konkret passiert, kann sich mit der Zeit wandeln – die Abwertung selbst ist für den Kapitalismus allerdings grundlegend. Solange der Profit die oberste Maxime ist, wird unproduktives strukturell als schwach abgewertet und die Bedürfnisse einzelner sind zweitrangig, müssen im Privaten ausgehandelt werden. Wer sich den Bedingungen des Kapitalismus nicht anpasst, kommt unter die Räder. So eine Gesellschaft ist doch mies! Für uns ist deshalb klar: Eine feministische Gesellschaft, frei von Unterdrückung egal welcher Lebensentwürfe können wir nur ohne den Kapitalismus erreichen!

Während das Ende des Kapitalismus und die Befreite Gesellschaft leider auf sich warten lassen…

… fordern wir im Hier und Jetzt – und heute auch beim CSD – praktische Solidarität mit allen, die Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geschlechtlichen Identität oder gesellschaftlichen Position erfahren. Es geht uns um politische und gesellschaftliche Teilhabe Aller! Es geht darum, politische Praxis für Emanzipation und gegen Kapitalismus und Patriarchat zu entwickeln. Deshalb kämpfen wir gegen die Feinde des guten Lebens – die völkische Rechte, christliche und islamische Fundamentalist_innen!

Ihnen allen ist gemein, dass sie nach patriarchaler Herrschaft streben. Ihr Ziel ist ein Kollektiv auf Grundlage von völkischen oder religiösen Werten einzurichten, in dem es keinen Platz für Menschen gibt, die von diesen Werten abweichen.

So imaginiert sich die völkische Rechte einen Volkskörper herbei, zu dem nur die gehören dürfen, die seinen biologistischen Merkmalen genügen. Gestützt wird diese Ideologie durch ein christliches, heterosexuelles Weltbild, in dem jede Liebe verdammt wird, die nicht in der Bipolarität von Mann und Frau aufgeht. Während völkisch-rechte Gruppen von der Frühsexualisierung ihrer Kinder fantasieren, sobald diese sexuelle Vielfalt sehen, fühlen sie sich in ihrem Weltbild von Lesben, Schwulen, Transsexuellen, Queers oder einfach bloß Feminist_innen angegriffen – wir passen nicht in ihr Bild einer Gemeinschaft und ihrer Nation als Volkskörper. Dort ist die Frau noch immer die Gebärmaschine der Nation, während der Mann als Jäger und Sammler die Ernährung der Familie übernimmt. Dass christliche Fundamentalist_innen und völkische Rechte in den letzten Jahren vermehrt zusammenarbeiten ist nachvollziehbar. Der autoritäre Charakter patriarchaler Männer findet sowohl in der völkischen Gemeinschaft als auch in der religiös-fundamentalistischen Gruppe seine Erfüllung. Zu beobachten war das zuletzt auch in Göttingen im Rahmen einer geplanten Veranstaltung der Hochschulgruppe Reformatio 21. Hier wurde Michael Kiworr eingeladen, der nicht nur christlich motivierter Abtreibungsgegner ist, sondern zusätzlich für die AfD als Sachverständiger in gleicher Sache auftritt.

Es sind aber eben nicht nur christliche Fundamentalist_innen und die völkische Rechte, die unsere Freiheit mit allen Mitteln bekämpfen wollen. Politisch ebenfalls auf dem Vormarsch und mit radikalem Expansionswillen ist der Islam, indem ein männlicher Vorherrschaftsanspruch strukturell tief verankert ist. Im Unterschied zu völkischer Rechter und den Spinnern von Reformatio 21 begründen islamische Fundamentalist_innen ihr Kollektiv auf der Umma, der Gemeinschaft gläubiger Muslime. In ihrem Wertesystem haben sich Frauen per se unterzuordnen. Gleichgeschlechtliche Liebe sowie Transsexualität werden im schlimmsten Falle gar mit dem Tod bestraft, ebenso wie Nicht-Gläubigen oder Menschen, die dieser Ideologie nicht entsprechen, das Recht auf Leben abgesprochen wird.

Feminismus bedeutet für uns immer auch eine Kritik an Religion. Uns ist es wichtig, Religion nicht nur dort zu kritisieren, wo sie fundamentalistische Züge annimmt, sondern sie als das zu analysieren, was sie ist. Religion bedeutet immer auch die Verschleierung weltlicher Probleme durch ihre Auslagerung in eine übernatürliche Sphäre. Sie verstellt den Blick für die Realität und ermöglicht das Gefühl die Verantwortung dafür abzugeben, sich das eigene und gute Leben selbstbestimmt zu gestalten. In diesem Sinne ist für uns die Kritik der Religion die Voraussetzung erfolgreicher Emanzipation.

Lasst uns darum gemeinsam für einen linksradikalen, antikapitalistischen und solidarischen Feminismus streiten! Für die Freiheit und das gute Leben!

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Die Frauen- und Arbeiter_innenbewegung im Iran. Vortrag und Diskussion mit Mina Ahadi

Freitag – 21. Juni 2019 – 20 Uhr
Theaterkeller – Geismar Landstraße 19

Die Frauen- und Arbeiter_innenbewegung im Iran
Vortrag und Diskussion mit Mina Ahadi

Mina Ahadi kämpft und agitiert seit Jahrzehnten gegen autoritäre politische Akteure im Iran. Sie war Teil einer iranischen Linken, die sich nach dem Kampf gegen den Shah nicht in die Arme einer islamistischen Regierung floh. Als die Revolution im Iran scheiterte, Islamisten die Macht ergriffen und Khomeini den Kopftuchzwang anordnete, organisierte Mina Ahadi weiterhin Protestaktionen und Demonstrationen. Für ihren kompromisslosen Einsatz für Freiheit und Menschenrechte wurde die Regimekritikerin mit einem Studienverbot bestraft. Die Einschüchterungsversuche des islamischen Regimes hielten sie jedoch nicht davon ab, ihren politischen Kampf fortzusetzen.

Ihr Mann wurde nach einer Wohnungsdurchsuchung der Geheimpolizei hingerichtet, Mina Ahadi selbst in Abwesenheit zum Tode verurteilt, woraufhin sie sich für längere Zeit in den Untergrund Teherans begab. Nachdem sie zunächst zu Beginn der 80er Jahre als Partisanin nach Iranisch-Kurdistan flüchtete, lebt Mina Ahadi nun seit 1996 in Köln. Die Exil-Iranerin ist Mitglied der Arbeiterkommunistischen Partei Irans, gründete 2001 das Komitee gegen Steinigung und ist seit 2007 Vorsitzende des Zentralrates der Ex-Muslime. Ihr Kampf gilt der reaktionären und frauenverachtenden Agenda des politischen Islam. In ihrem Vortrag berichtet sie von vergangenen und gegenwärtigen Protesten gegen das islamistische Mullah-Regime im Iran.

Hier gehts zur Aufnahme ihres Vortrags!

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Wenn die Shoah zum Vogelschiss erklärt wird

Erinnern in Zeiten des Rechtsrucks

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Heute ist mit der AFD eine rechtsradikale und geschichtsrevisionistische Partei im deutschen Bundestag vertreten. Ihr Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland bezeichnet „Hitler und die Nazis“ als einen „Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. Über­lebende des KZ Bergen-Belsen verwahren sich gegen die Beteiligung eben dieser AFD im Stiftungsrat der niedersächsischen Gedenkstätten. Während sich das gesellschaftspolitische Klima immer weiter nach rechts verschiebt, rückt der Zeitpunkt näher, an dem keine Überlebenden des NS-Terrors mehr berichten können. Was folgt daraus? Wie kann sich Erinnerungspolitik dem Rechtsruck entgegen stellen?

Müssen Gedenkstätten aufgrund dieser politischen Dynamik zu aktiven politischen Akteurinnen avancieren?

Wir diskutieren mit der Schriftstellerin und Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano, dem ehem. Leiter der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten Prof. Habbo Knoch und der Historikerin und Publizistin Cornelia Siebeck.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bündnisses zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Göttingen – 27.Januar.

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