Corona ist ein Problem – aber nicht wegen Bill Gates

Statement anlässlich der so genannten ‚Corona-Rebellen‘ Proteste im Mai 2020

Seit Wochen protestieren in Deutschland selbsternannte „Corona Kritiker_innen“ gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. So auch in Göttingen.

Vieles, was bis vor kurzem als „Normalität“ galt, ist nicht mehr selbstverständlich, die Zukunft ungewiss. Die ergriffenen Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus sind wichtig, beschneiden allerdings auch individuelle Freiheiten. Dies führt bei Vielen zu großer Verunsicherung, Angst und dem Gefühl von Kontrollverlust.

Verschwörung getarnt als Protest

Eine Reaktion auf diese Verunsicherung ist häufig die Hinwendung zu Verschwörungstheorien, wie sie unter anderem auch die „Corona Rebellen“ in Göttingen verbreiten. Diese sind eine wilde Mischung aus Linken, Liberalen, Hippies, vermeintlichen Demokrat_innen, aber auch Anhänger_innen der extremen Rechten. Sie vereint ein gemeinsames Ablehnen der aktuellen staatlichen Maßnahmen. Ihre Gründe sind divers. Geht es Liberalen primär um die Thematisierung negativer wirtschaftlicher Folgen, formulieren Andere eine diffuse Kritik an „den da Oben“. Manche sehnen sich aber auch ganz offen nach einer „völkisch reinen Gesellschaft“. Alle „alternativen Deutungen“ erweisen sich in letzter Konsequenz als Verschwörungstheorien, durch die versucht wird, ein komplexes gesellschaftliches Phänomen (hier: Corona) möglichst einfach zu erklären. Das Perfide daran ist, dass es oft mehr als müßig ist, diese Ansichten durch rationale Argumente zu entkräften. Jeder Einwand wird bereits als Teil einer gegenteiligen Verschwörung gedeutet.

Verschwörungstheorien sind nicht immer offen antisemitisch – in ihrem Kern aber schon. Seit dem Mittelalter kursieren in Krisenzeiten immer wieder Welterklärungen, in denen eine kleine Gruppe für alles Schlechte und Komplizierte verantwortlich gemacht wird. Das Spektrum antisemitischer Zuschreibungen ist dabei sehr variabel und häufig gegenstandsbezogen. Von den „ChristusmörderInnen“ und „BrunnenvergifterInnen“ über das „Finanzkapital“, zu George Soros oder Bill Gates, der uns alle zwangsimpfen und zwangschippen will. Ist das Narrativ einmal gesetzt, ist es egal, ob Gates wirklich Jude ist oder nicht. Die aufgestellte Theorie braucht keine ‚Wahrheit‘ für ihre Rechtfertigung.

Mut, Widersprüche auszuhalten

Grade in diesen Zeiten der Krise offenbart sich einmal mehr, dass diese kapitalistisch strukturierte Gesellschaft keine gerechte sein kann. So ist es nicht verwunderlich, dass ein nach neoliberaler Maßgabe umstrukturiertes Gesundheitssystem, welches sich in den letzten Jahrzehnten nach marktwirtschaftlichen Gesetzen des Konkurrenzverhältnisses und der Profitmaximierung orientiert hat und nicht, was für den oder die Patient_in am besten ist, sicherlich nicht im Sinne des hippokratischen Eides agiert. Zur Impfgegnerin zu werden ist aber weder legitimer Protest noch medizinisch sinnvoll. Wenn die Welt Dir Kopfschmerzen bereitet, ist es ok, eine Schmerztablette zu nehmen und trotzdem für bessere Verhältnisse auf die Straße zu gehen.

Solidarität statt Hetze

Dass das Tragen einer Behelfsmaske solidarisch sein kann, um Andere nicht anzustecken, ignorieren die Kritiker_innen. Zu behaupten, die Maskenpflicht sei ein Schritt in die Diktatur, zeugt vor allem von Ignoranz und Geschichtsvergessenheit. Es wird sich wegen eines Stück Stoffs dermaßen zum Opfer stilisiert, dass nicht mal die Identifikation mit Menschen, die unter Diktaturen leiden mussten oder immer noch müssen gescheut wird.

Gegen Antisemitismus und Verschwörungsideologien!

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